Mönchengladbach · Zum Abschluss der Veranstaltung „Nostra aetate“ wurden jiddische Volks- und Tanzlieder, Gebete und Klezmer-Klänge in der Mönchengladbacher Citykirche hörbar. Der Chor setzte zusammen mit dem Publikum ein bewegendes Zeichen gegen Antisemitismus.

Summend zogen die Sängerinnen und Sänger des Shalom Chors durch die Gänge der Citykirche, während Horst Couson voranging und Klarinette spielte. Vorne am Altar warteten die Mitglieder des Ensembles „Shpil, Klezmer, shpil“ mit Deli Kaumanns (Violine), Johannes Goedeke (Gitarre), Stefan Wershofen (Bass) und Johannes Bahners (Percussion).
„Shalom oder wie man Frieden halten kann“ lautete das Motto des Konzerts, das Chor und Ensemble gaben. Es stellte den musikalischen Abschluss der Veranstaltung „Nostra aetate. Von der Aufarbeitung des christlichen Antijudaismus zur Erneuerung der Kirche“ dar.
Zum 60. Jahrestag der Erklärung der katholischen Kirche zu ihrer Haltung zu nichtchristlichen Religionen hatten das Bistum Aachen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mönchengladbach und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Mönchengladbach zu Vorträgen und Workshops eingeladen. „Nostra aetate“ heißt „In unserer Zeit“ und ist Titel der Erklärung der Kirche. Die Veranstaltung richtete sich vor allem an Pastoralverantwortliche und Religionslehrerinnen und -lehrer. Hauptredner war Christian Rutishauser SJ, der zur Eröffnung über die „Erneuerung der Kirche aus jüdischer Wurzel“ sprach.
Die Verfolgung der Jüdinnen und Juden hat eine lange Geschichte und hält an. Antisemitismus ist weiterhin präsent. Gegen ihn ansingen und für den Frieden singen, das wolle man, so der Leiter des Shalom Chors, Horst Couson. Traditionelle jiddische Lieder, die Klezmer-Musik – sie sind ein wichtiges Kulturgut. Das Wort Klezmer ist eine Kombination aus den Begriffen für Werkzeug und Melodie, meinte zunächst die Musiker und wurde zur Bezeichnung der musikalischen Stilrichtung. Die Klarinette, aber auch die Geige sind aus der Musik nicht wegzudenken mit dem an menschliche Stimmen erinnernden Klang.
Der Chor präsentierte jiddische Volkslieder, Tanzlieder und gesungene Gebete wie „Qadosch“. Qadosch bedeutet „heilig“. Couson rief das Publikum zum Mitsingen der Lieder und zum Klatschen auf, was gerne angenommen wurde. Die Lieder stecken voller Melancholie und Sehnsucht, Intensität und Fröhlichkeit. Sie erlauben einen Blick in die vielfältige jüdische Kultur, die sich stets modernisiert und deren Liedgut auch den Weg in die Gebetbücher der christlichen Kirche gefunden hat: „In deinen Toren will ich stehen, du freie Stadt Jerusalem“ ist ein solches Lied. Naomi Schemer schrieb es über das freie Jerusalem kurz vor dem Sechstagekrieg, als die Jerusalemer Altstadt für Israelis noch nicht zugänglich war.
Dem Chor und dem Ensemble gelang es, dem Publikum die bewegende Atmosphäre der modernen und traditionellen Lieder intensiv zu vermitteln.
