Shpil, Klezmer, shpil: Alles fröhlich

Jüdische Lieder und Klezmer sind auf der neuen CD des Ensembles zu hören.

Von Gert Holtmeyer

„A bissel Sonn‘, a bissel Regen“ heißt es in einem jiddischen Lied, mit dem eine soeben erschienene CD beginnt. Hörenswert eingespielt hat sie das Gladbacher Ensemble „Shpil, Klezmer, shpil“. Sonnenschein und Regenwetter, Freude und Leid, Hoffnung und Verzweiflung: Sie waren in der vernichteten Kultur des Ostjudentums nie ganz zu trennen. Zwischen entsetzlicher Armut und mörderischen Pogromen konnte sich keine ungetrübte Freude entwickeln. Aber man gab die Hoffnung nicht auf und begegnete der Realität mit hintergründigem, geistreichem Humor.

Heiterkeit auf Moll-Basis durchzieht entsprechend auch die jiddischen Lieder sowie Klezmer, die weltliche Instrumentalmusik der osteuropäischen Juden. Die existierte in verschiedenen regionalen und stilistischen Varianten.

Das Ensemble „Shpil, Klezmer, shpil“, das 2001 im Umfeld des von Horst Couson geleiteten Mönchengladbacher Schalom-Chors entstand, widmet sich auf seiner CD besonders der ukrainischen Spielart. Das kommt nicht von ungefähr. Aus der Ukraine stammt Oleksander Shneyder, der Sologitarrist des Ensembles. Einige der Melodien hat er selbst geschrieben, andere aus seiner Heimat mitgebracht und für die Besetzung arrangiert. Jiddische Lieder im ersten Teil und instrumentale Klezmer-Sätze im zweiten sind abwechslungsreich und temperamentvoll wiedergegeben.

Als Gesangssolistin ist Susanne Völker zu hören. Das Instrumentalensemble ist besetzt mit Klarinetten und Saxophonen (Horst Couson), Trompete und Flügelhorn (Robert Prins), Gitarren (Oleksander Shneyder, Johannes Goedeke und Edmund Heimann), Akkordeon (Bettina Schameitat), Bass (Stefan Wershofen), Schlagzeug (Ralf Kurley) und Percussion (Johannes Bahners). Unter den Komponisten erscheinen bekannte Namen wie Mordechai Gebirtig oder Helmut Eisel. Es ist aber durchaus von Vorteil, dass vergleichsweise wenig bekannte Lieder und Instrumentalstücke eingespielt sind, man also durchaus Neues aus der Sparte Klezmer hört. Gelegentlich einbezogene Stilelemente des Jazz wirken erfrischend. Das typische Moll mit seinen übermäßigen Ganztonschritten garantiert, dass darüber der typische Klezmer-Sound nicht verloren geht.

Auch wenn zur ostjüdische Fröhlichkeit immer auch ein melancholischer Untergrund gehört: Der Schwerpunkt der CD liegt auf der fröhlichen Komponente. Deshalb ist sie auch „Alts Freylekh“ überschrieben, auf Deutsch „Alles fröhlich“. Damit ist zugleich der musikalische Schwerpunkt benannt: Freylekh lautet auch die jiddische Bezeichnung für flotte Stücke im 2/4-Takt.

Erhältlich ist die CD zum Preis von 12 Euro über die Homepage des Schalom-Chors (www.shalomchor.de).

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